Warnstreik Railmaint 30.4.2021
Die Beschäftigten bei Railmaint in Oberhausen streiken für bessere Löhne. Foto: Michael Kniess

48-Stunden-Streik bei Railmaint: „Wir haben den längeren Atem“

Dem ersten Warnschuss musste ein weiterer folgen: Weil der Arbeitgeber trotz eines ersten Warnstreiks Mitte April (Gescheiterte Tarifverhandlungen bei Railmaint: Streikaktion als erster Warnschuss ) nach wie vor kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt hat, legten nahezu alle 150 Beschäftigten der Railmaint GmbH in Oberhausen (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen) rund drei Wochen später erneut die Arbeit nieder. Mit einem 48-stündigen Ausstand verliehen sie am 29. und 30. April ihrer Forderung nach einem deutlichen Gehaltsplus Nachdruck.

Aufgerufen zur neuerlichen Streikaktion hatte der IG-BCE-Bezirk Augsburg. „Oberhausen ist ein rentables Werk mit sehr guten Mitarbeiter*innen“, unterstrich Torsten Falke. Der IG-BCE-Bezirksleiter weiter: „Es muss endlich Bewegung in die Tarifrunde kommen. Scheinbar hat Geschäftsführer Axel Folchert bei unserem ersten Streik nicht gut genug zugehört. Deshalb ist diese erneute Aufforderung für Verhandlungen auf Augenhöhe und ein vernünftiges Angebot leider nötig.“

Zur Erinnerung: Die Geschäftsführung des Unternehmens, das Eisenbahnwaggons repariert und hochwertige technische Wartungsarbeiten übernimmt, hat eine 450 Euro Corona-Prämie und je ein Prozent Lohnerhöhung zum 1. Oktober und zum 1. Januar 2022 angeboten. Die Arbeitnehmer*innen und ihre Gewerkschaft um IG-BCE-Verhandlungsführer Franz-Peter Sichler verlangen eine deutlich bessere Tariferhöhung und eine höhere Corona-Prämie, die der Arbeitsleistung der Railmaint-Mitarbeiter*innen gerecht werden.

Die Streikenden erhalten Unterstützung der IG BCE aus ganz Bayern

Unterstützung dafür bekamen die Streikenden von zahlreichen Gewerkschaften und aus allen bayerischen IG-BCE-Bezirken sowie aus dem benachbarten baden-württembergischen Bezirk Ulm. „Die wirtschaftlichen Ziele eures Arbeitgebers erreicht ihr mit Bravour, indem ihr bei Eiseskälte im Winter genauso wie bei unerträglicher Hitze im Sommer in den Hallen buckelt. Nur beteiligt werdet ihr nicht an diesem Erfolg. Das ist ein Skandal“, betonte dessen Bezirksleiter Jonas Lang.

Auch die Landesbezirksleitung um Beate Rohrig hatte an der Kundgebung und am Demonstrationszug teilgenommen, um deutlich zu machen, dass ein Unternehmen so mit seinen Mitarbeiter*innen nicht umgehen darf. „Euer Arbeitgeber muss endlich einsehen, dass er für die gute Arbeit, die ihr leistet, endlich auch ein angemessenes Einkommen und akzeptable Arbeitsbedingungen ermöglichen muss“, so Beate Rohrig an die Beschäftigten gewandt. „Das ist euer Recht, denn eure Leistung wird bislang nicht gewürdigt.“

In Richtung des Geschäftsführers Axel Folchert machte die Landesbezirksleiterin deutlich: „Nehmen sie die letzte Chance wahr und legen sie endlich ein verhandlungsfähiges Angebot auf den Tisch.“ Wer Wind säe, dürfe sich nicht über einen Sturm wundern, machte Beate Rohrig unmissverständlich klar. Und: „Dem Arbeitgeber muss bewusst sein, wir haben den längeren Atem.“

Unterstützung kommt auch von der IG Metall

Michael Leppek, 1. Bevollmächtigter und Geschäftsführer der IG Metall Augsburg, Benjamin Freund, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Landshut und Christian Daiker von der IG Metall Ingolstadt, unterstrichen in ihren Grußworten ebenfalls die Solidarität gegenüber den Railmaint-Mitarbeiter*innen. Ihr gemeinsamer Tenor: „Es ist ein gerechter Kampf, den ihr führt und wir unterstützen euch mit Nachdruck in dieser entscheidenden Phase.“

Christian De Lapuente vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) betonte, dass er nach dem ersten Warnschuss eigentlich gar nicht mehr mit einem weiteren Streik gerechnet habe: „Ich hoffe, dass spätestens diese Aktion endlich das Denkvermögen des Arbeitgebers anregt.“ Erneut kämpferisch gab sich auch der Betriebsratsvorsitzende Siegfried Kornreitner: „Wir meinen es ernst und werden nicht nachgeben, bevor wir endlich ein vernünftiges Angebot bekommen haben.“ Diakon Georg Steinmetz, Betriebsseelsorger von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung Augsburg (KAB), wiederholte seine Forderung, die Railmaint-Beschäftigten müssten endlich das bekommen, was ihnen zustehe.

Bernhard Dausend, Mitglied im ehrenamtlichen Hauptvorstand der IG BCE auf Bundesebene und Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Evangelischer Arbeitnehmerorganisationen e.V. (BVEA), gab den Streikenden mit auf den Weg: „Wenn euer Arbeitgeber so mit seinen Kunden umgehen würde, wie mit euch, würde er nichts verkaufen. Ihr seid es, die seinen Erfolg überhaupt ermöglichen.“ Torsten Falke gab sich zum Abschluss der zweitägigen Streikaktion siegessicher: „Wir werden mit und vor allem für euch den Kampf bestehen.“ Zur Not auch mit einer dritten, noch deutlicheren Warnung.

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