Die Beschäftigten bei Railmaint in Oberhausen streiken für einen ordentlichen Tarifabschluss.
Die Beschäftigten bei Railmaint in Oberhausen streiken für einen ordentlichen Tarifabschluss. Foto: Michael Kniess

Gescheiterte Tarifverhandlungen bei Railmaint: Streikaktion als erster Warnschuss

Als einen ersten Warnschuss, dass sie es ernst meinen, wollen sie ihre „tarifpolitische Mittagspause“ verstanden wissen. Nahezu alle 130 Beschäftigten der Railmaint GmbH in Oberhausen (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen) sind dafür am 13. April dem Streikaufruf des IG-BCE-Bezirks Augsburg gefolgt. Die vierstündige Aktion beim Unternehmen, das Eisenbahnwaggons repariert und hochwertige technische Wartungsarbeiten übernimmt, war das Ergebnis von neumonatigen Verhandlungen um einen Anschlusstarifvertrag, die gescheitert sind.

Die IG BCE Bayern war im Juli 2020 mit der Forderung nach sechs Prozent Tariferhöhung oder einer Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit von 40 auf 37,5 Stunden in die Verhandlungen gegangen. Der Arbeitgeber hatte zuletzt Ende Oktober 2020 ein provokatives Angebot abgesetzt, das Bezirksleiter Torsten Falke und IG-BCE-Verhandlungsführer Franz-Peter Sichler als „provokant“, „unanständig“ und „respektlos“ bezeichnen.

Angebot der Geschäftsführung ist für Beschäftigte eine Provokation

Geschäftsführer Axel Folchert schlug zuletzt eine Tarifvereinbarung über eine fünfjährige Laufzeit mit Entgelterhöhungen in einem Gesamtvolumen von zwei bis vier Prozent in geringen Dosierungen von einem Prozent ab 2022 vor. Als besonders provokant wird seitens der Belegschaft und Gewerkschaft empfunden, dass der Arbeitgeber für 2021 und 2022 je 15 Minuten Arbeitszeitverkürzung in der Wochenarbeitszeit geben will. Im Gegenzug wird jedoch eine Kompensation durch die Reduzierung der Altersfreizeiten gefordert, die sich aktuell bei zweieinhalb Stunden pro Woche ab dem 57. Lebensjahr beläuft.

Franz-Peter Sichler betonte vor der zum Warnstreik vor der Betriebskantine coronakonform versammelten Belegschaft: „Während allen Verhandlungsrunden haben wir immer wieder Kompromissbereitschaft gezeigt und sind auf die Geschäftsführung zugegangen, doch von dieser kam null komma nichts.“ Der IG-BCE-Verhandlungsführer weiter: „Jetzt gehen wir zurück auf Anfang und kehren zu unserer Ausgangsforderung zurück.“

Eine Forderung, die in den Augen von Christian De Lapuente vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) „mehr als verdient“ und „keinesfalls überzogen“ ist. Der Organisationssekretär des DGB-Büros Ingolstadt unterstrich: „Wir sprechen hier nicht von überdimensionierten Manager*innengehältern. Ihr habt das Recht auf diese Lohnerhöhung, weil ihr ohnehin jeden Euro zum Leben braucht.“

Auch für Diakon Georg Steinmetz ist klar: „Ihr leistet hervorragende Arbeit und mancher Betrieb wäre froh über das Jahresergebnis, das ihr für euren Arbeitgeber in einem Monat erwirtschaftet.“ Der Betriebsseelsorger von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung Augsburg (KAB) betonte: „Ihr steht zurecht hier und streikt.“

IG BCE spricht von Tarifverschleppung und gibt sich kämpferisch

Bernhard Dausend sprach sogar von einer „Tarifverschleppung“. Das Mitglied im ehrenamtlichen Hauptvorstand der IG BCE auf Bundesebene und Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Evangelischer Arbeitnehmerorganisationen e.V. (BVEA) mahnte: „Solidarität hat immer zwei Seiten. Als Railmaint zu kämpfen hatte, habt ihr mit eurem Engagement und zahlreichen Überstunden wieder für gute Zeiten gesorgt. Euer Arbeitgeber sollte sich schämen, wenn er diese Solidarität nicht weitergibt, jetzt wo die Auftragsbücher wieder gut gefüllt sind.“

Grund genug für Siegfried Kornreitner „Nägel mit Köpfen“ zu machen. Der Betriebsratsvorsitzende gab sich kämpferisch: „Spätestens heute muss die Geschäftsführung merken, dass wir es ernst meinen und wir nicht klein beigeben werden.“ Jetzt sei der Arbeitgeber am Zug. Für den Fall, dass dieser keine Reaktion zeigen sollte, warnte Torsten Falke vor weiteren Maßnahmen. „Das ist erst der Anfang und wir werden weiter aufdrehen“, so der IG-BCE-Bezirksleiter. Der 13. April, er sollte als erster und deutlicher Warnschuss an die Geschäftsführung von Railmaint verstanden werden.

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