IG BCE-Mitglieder von LEONHARD KURZ Stiftung in Sulzbach-Rosenberg auf einer Mitgliederversammlung unter Corona-Bedingungen.
IG BCE-Mitglieder von LEONHARD KURZ Stiftung in Sulzbach-Rosenberg auf einer Mitgliederversammlung unter Corona-Bedingungen. Foto: IG BCE

Leonhard Kurz Stiftung will Einsparungen auf Kosten der Beschäftigten

 

Aufgrund von strukturellen Problemen, unter anderem in der Automobilindustrie, hat die Leonhard Kurz Stiftung den unternehmensbezogenen Verbandstarifvertrag (UbVTV) gekündigt. Seit der Coronakrise seien die Probleme noch verschärft worden. Daher plant der Arbeitgeber Einsparungen der Personalkosten in Höhe von 10 Millionen Euro pro Jahr. Des Weiteren ist der Abbau von 250 bis 300 Stellen geplant.
„Nach zehn Jahren rekordverdächtiger Performance greift das Unternehmen zu aller erst den Beschäftigten in den Schichten und in der Produktion tief in den Geldbeutel“ so die IG BCE-Gewerkschaftsekretärin Iris Schopper aus dem Bezirk Nordostbayern.

Vor allem SchichtarbeiterInnen profitieren von Zulagen aus dem Tarifvertrag

Die Leonhard Kurz Stiftung ist tarifgebunden und Mitglied des Arbeitgeberverbands der chemischen Industrie. Historisch bedingt weichen die Urlaubsgeld- und Weihnachtsgeldzahlungen, sowie Schichtzuschläge zum Positiven für die Beschäftigten vom Manteltarifvertrag chemischen Indsutrie (MTV Chemie) ab. Von diesen unternehmensspezifischen Regellungen profitieren vor allem SchichtmitarbeiterInnen. Durch die Kündigung des UbVTV fallen nun die attraktiven Zahlungen weg. Daher würden zum 1.1. die Regellungen des MTV Chemie zum Tragen kommen. 2017 sind diese freiwillig gewährten Regellungen erstmals in einem UbVTV rechtssicher festgeschrieben worden.

In den bisherigen Gesprächen legten die Vertreter des Arbeitgebers der Verhandlungsführerin und Landesleiterin der IG BCE Bayern, Beate Rohrig, ein Maßnahmenpaket vor. Dieses sieht vor allem Einsparungen vor. Rohrig stellt fest: “Das Sparpaket hat eine ernüchternde Schieflage. Diejenigen die maßgeblich in den vergangenen Jahren in der Produktion und Schichten zum Erfolg des Unternehmens beigetragen haben, sollen das Einsparungspaket tragen. Das ist für die IG BCE ein No-Go.”
“Wenn wir jetzt nicht verhandeln und uns dem Vorhaben entschlossen entgegenstellen, verlieren viele Beschäftigte viel Geld” so Rohrig weiter.

Zehn Mitgliederversammlungen der IG BCE in Sulzbach-Rosenberg

Am Standort in Sulzbach-Rosenberg hat die IG BCE Mitte Juli insgesamt zehn Mitgliederversammlungen abgehalten. Darin haben die Mitglieder ein eindeutiges Signal gesendet. “Die IG BCE-Mitglieder aus dem Bezirk Nordostbayern wollen für den Erhalt des UbVTV streiten und positionieren sich stark hinter ihrer Gewerkschaft” so Schopper. “Die rege Beteiligung auf den Mitgliederversammlungen hat gezeigt, wie wichtig den Mitgliedern ihr UbVTV ist.” Auch in Fürth haben sich die Mitglieder in Versammlungen ihre Meinung zu den Forderungen gebildet. Sie wollen ebenfalls für den Erhalt des UbVTV streiten.

“Ich denke, eine gute Lösung für beide Seiten ist möglich”, sagt Michael Schlesinger, Gesamtbetriebsratsvorsitzender. Er sieht die Verhandlungen auf einem guten Weg und lobt das sozialpartnerschaftliche Miteinander beider Seiten.

IG BCE erwartet ein Gesamtkonzept vom Arbeitgeber – nächster Termin im September

Bei den Verhandlungen am 11. August hat es keinen Durchbruch gegeben. Dort hat die Tarifkommission der IG BCE die Sicht der Mitglieder bei Kurz deutlich herübergebracht. “Die Anregungen aus den Mitgliederversammlungen waren sehr wichtig für unsere Verhandlungsstrategie. Wir konnten die dort gesammelten Argumente in den Verhandlungen nutzen”, sagte die Landesbezirksleiterin der IG BCE Bayern, Beate Rohrig. “Der Arbeitgeber will nach wie vor die Personalkosten durch Absenkung der Entgelte der Beschäftigten erreichen. Wir erwarten ein Gesamtkonzept, das Unternehmen, Arbeitsplätze und Einkommen langfristig sichert”, so die Verhandlungsführerin der IG BCE weiter.

Im September gehen die Verhandlungen weiter. “Die Beteiligung bei den Mitgliederversammlungen war ein deutliches Signal unserer Mitglieder. Doch wir brauchen auch weiterhin diese Unterstützung”, sagt Rohrig. Eine Form diese Unterstützung zu zeigen, ist die Beteiligung an den Vertrauensleutewahlen, egal ob als KandidatIn oder als Wähler.

Die Mitglieder bei Kurz werden über einen Brief über den aktuellen Stand der Verhandlungen informiert.

 

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